Neue Figuration – Deuten des Lebensraums

Viele Künstler ersuchte nach dem Zweiten Weltkrieg wieder die Auseinandersetzung mit der Lebenswirklichkeit. Sie wandten sich von der abstrakten Malerei ab, mit der Absicht einen neuen kritischen Realismus zu finden – mit der Malerei als Mittelpunkt und Kontext zum Lebensraum, den das Werk umgibt. Diese Denkweise wurde zu einer künstlerischen Stilrichtung, die als Neue Figuration Einzug in die Kunstgeschichte und die Literatur fand. Den Begriff selbst prägte der deutsche Maler Hans Platschek 1959 in einem Essay.

Alltag als Quelle der Inspiration

Die Neue Figuration als zweite Phase der Moderne und ihre Künstler griffen auf ein großes Inventar an Motiven zurück. Mythologische Motive, Bilder aus der Literatur und Alltagsgegenstände wurden herangezogen. Bilder wie „Elektrorasierer auf Stuhl“ von Konrad Klapheck illustrieren letztere Motive. Im Vordergrund stand dann weniger ein „großer Coup“ oder eine Pointe des Gemäldes bzw. eine Aussage. Häufig wurde ein zufälliger Moment eingefangen.

Diesen verwirklichte man im Ideal mit einer Erprobung figurativer Ausdrucksmöglichkeiten, in der aus Formen Figuren geschaffen, leblose Gegenstände im Gemälde arrangiert wurden. Einige Gemälde erinnern in ihrer Farbintensität und Maskenhaftigkeit noch unweigerlich an den Expressionismus.