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Grafiken von Friedensreich Hundertwasser

Friedensreich Hundertwassser ist mit Sicherheit einer der interessantesten Künstler des Zwanzigsten Jahrhunderts – in der breiten Öffentlichkeit ist besonders sein architektonisches Schaffen bekannt. Das liegt am Stil und an der spektakulären Gestaltung, die für einiges Aufsehen gesorgt hat. Dabei wird oft übersehen, dass Friedensreich Hundertwasser auf diversen Bereichen der Kunst tätig war – von der Grafik bis zum Film. Seinen individuellen Stil hat er sich in allen Disziplinen bewahrt und nicht gescheut, mit den Konventionen zu brechen und eigene zu erschaffen. Bei der Grafik war Hundertwasser stets darauf bedacht, auch den Entwicklungsprozess für den Betrachter zu dokumentieren. Details darüber finden sich auf der Rückseite der Originalwerke, wo Hundertwasser für jede Grafik genaue Details festgehalten hat – Auflage, Titel, Seriennummer, Angaben über Farbvariationen und sogar die Namen der Drucker und Papierfabrikanten.

Hundertwasser Grafiken – nur in kleiner Auflage

Es gibt von jeder Grafik unterschiedliche Varianten, die sich in der Farbgebung voneinander unterscheiden und nur in kleinen Stückzahlen gefertigt wurden – auf diese Weise hat Hundertwasser versucht, die Maschine und die industrielle Fertigung zu überlisten. Weitere Informationen finden sich am Rand der Vorderseite – hier wurde durch Hundertwasser die eigenständige Arbeit der Techniker und Drucker honoriert, indem er seine und fremde Leistungen an der Grafik durch nummerierte Quadrate und Punkte darstellte. Mit all diesen Versuchen versuchte er, die Individualität jedes Entstehungsprozesses deutlich zu machen – und hat Kunstwerke geschaffen, bei denen die Grafik mehr ist als eine reine Kopie seiner Originale.

Phantastischer Realismus

Der Begriff Phantastischer Realismus wurde in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts von dem Wiener Kunstkritiker Johann Muschik geprägt, und bezog sich zunächst auf die Künstlergruppe der Wiener Schule des Phantastischen Realismus, die im Belvedere 1959/60 eine Ausstellung hatte. Albert Paris von Gütersloh, Professor und Künstler an der Wiener Akademie der bildenden Künste, war Förderer des Phantastischen Realismus und Gründer des Art Club, wo sich von 1947-1955 die avantgardistische Kunstszene Wien traf und austauschte.

Phantastischer Realismus – Anleihen aus der Mythologie und dem Märchen

Stilistisch ist Phantastischer Realismus sowohl im Manierismus, Surrealismus als auch im Magischen Realismus verwurzelt, wobei sich Künstler aber auch an der Kunst eines Hieronymus Bosch oder Matthias Grünewald orientierten. Besondere Kennzeichen der Kunstrichtung sind neben märchenhaften und mythologischen Anleihen, Anklänge an den Surrealismus, die Aufnahme grotesk-figürlicher, aber auch erotisch-phantastischer Motive.

Bezog sich Phantastischer Realismus zunächst auf den Wiener Künstlerkreis, erlangte er bald eine größere Breitenwirkung und wurde auch von deutschen Künstlern rezipiert und zu einer anerkannten Kunstrichtung der Gegenwart gemacht. Bekannte Künstler sind neben Hans Bellmer, Ernst Fuchs, Arik Brauer, Friedensreich Hundertwasser auch Franz Radziwil und Paul Wunderlich.